bm winterhalter mit gewinnerinnen 30

BM Winterhalter mit Gewinnerinnen

Ein Tag im Leben der Steinheimer Urmensch-Frau

Eine Geschichte von Lea Hatwieger

In loser Folge veröffentlichen wir an dieser Stelle einige der schönsten Geschichten des Schreibwettbewerbs. Dies ist der Beitrag von Lea Hatwieger, 13 Jahre. Sie hat für ihre Geschichte „Der mysteriöse Gegenstand“ den Preis in der Kategorie Jugendliche erhalten.

Der mysteriöse Gegenstand

Eines Morgens, als die Urmensch-Frau aufwachte, sah sie auf dem Weg zu einem naheliegenden See, um Wasser zu holen, einen blitzenden Gegenstand. Die Urmensch-Frau, die von allen Tesa genannt wurde, gab dem aber nicht viel Beachtung. Sie ging einfach wieder zur Höhle, in der schon ihr Mann wartete und die Kinder betreute. Als sie ankam, sprang ihr schon das kleinste Kind von ihren dreien, das Mila hieß, entgegen. Dabei verschüttete es ein paar Tropfen des frischen Wassers. Es war ein normaler Tag. Roland, ihr Mann, ging mit den anderen Männern des Dorfes jagen und Tesa und ihre drei Kinder Mila, Johan, und Edgar gingen Früchte, Nüsse, Beeren und sonstiges sammeln. Es schien wie ein ganz normaler Tag zu sein. Die Kinder rannten zwischen den Büschen und Sträuchern herum und spielten Fangen. Nach ein paar Stunden hatte Edgar keine Lust mehr, mit seinen kleinen Geschwistern zu spielen. Er beschloss, seiner Mutter bei dem Beeren sammeln zu helfen, aber nach einer Weile verlor er auch daran die Lust.

Plötzlich huschte eine Maus über seinen Fuß. Edgar war ein sehr neugieriger Junge, deshalb ging er sofort auf die Knie, um die kleine Maus genau zu beobachten. Er sah, wie die kleine Maus in einem Loch neben einem Busch verschwand. Seine Blicke wanderten über den Boden um das Loch herum. Doch dann blieb er an einem Gegenstand hängen, an etwas was er noch nie zuvor gesehen hatte. Es war durchsichtig und hatte scharfkantige Ecken. Er wollte es aus der Nähe betrachten und nahm es in die Hand. „Autsch“ schrie er auf, weil er sich an einer der scharfen Ecken geschnitten hatte. Schon tropften ein paar rote Tropfen aus seinem Finger. Die Mutter war sofort herbei geeilt, um zu schauen was, mit ihrem Sohn los sei und warum er so schrie. Tesa forderte ihren Sohn auf, seine kleine Schnittwunde mit Wasser im dem klaren See auszuwaschen.

Aber er nahm auch das ungefähr handflächengroße Objekt mit und wusch es mit großer Vorsicht. Jetzt war es sogar noch klarer und durchsichtiger als das Wasser. So etwas hatte er noch nie zuvor gesehen. Voller Stolz zeigte er es seiner Mutter und seinen Geschwistern. Alle waren sehr erstaunt. Mila wunderte sich: ,,Was ist das denn?“ „Und woher kommt das?“ fragte Johan. Die Mutter überlegte, ob sie so etwas schon einmal gesehen hatte. Aber ihr fiel auf, dass es genau die gleiche Stelle zu sein schien, an der sie heute Morgen beim Wasserholen etwas funkeln und blitzen gesehen hatte. Vielleicht hat es das Licht der Sonne reflektiert und deshalb so geleuchtet. Nach ein paar Minuten stillen Nachdenkens blickte sie erschöpft in die untergehende Sonne. „Lasst uns morgen weiter grübeln oder nachher Papa fragen. Jetzt gehen wir erst mal nach Hause. Es ist schon spät“, sagte die Mutter mit müder Stimme.

Fröhlich gingen sie zusammen nach Hause und waren neugierig, ob der Vater ihnen das Geheimnis erklären könnte. Dort angekommen, bereiteten sie erst einmal das Essen vor. Die Mutter zauberte ein leckeres Essen aus den Fischen, die der Vater mitgebracht hatte. Nach einer halben Stunde war das Essen fertig und alle setzten sich an einen großen Stein mitten in der Höhle, den sie als Tisch nutzten. Edgar hatte schon den Tisch gedeckt mit Schalen aus Holz.  Als sie fertig waren, räumte Tesa mit Mila alles auf, während Edgar und Johan dem Vater das geheimnisvolle Objekt vorstellten. Edgar verkündete voller Stolz, wie er es gefunden hatte und betrachtete es mit großen, funkelnden Augen. Es war schon spät. Von der Sonne sah man auch nur noch einen kleinen Schlitz zwischen dem hohen Gebirge, das Abendrot verblasste langsam. Roland forderte seinen Sohn auf, den zerbrechlichen Gegenstand hinaus zu legen. Er legte ihn sorgfältig auf den Boden und ging ins Bett. Seine Eltern und Geschwister taten es im gleich und schliefen auch schnell mit dem Geheimnis des mysteriösen Gegenstandes ein.

Edgar und alle anderen begangen zu schwitzen. Mila wachte als erstes auf,  „Feuer!“ rief sie, „Feuer!“ Jetzt war auch der Rest wach und alle bekamen Angst. Johan und seine Mutter suchten verzweifelt nach einem Ausgang, aber sie konnten fast nichts sehen, weil es so dunkel war. Plötzlich krachte ein großer Stein von der Decke und klemmte Mila zwischen dem ,,Tisch“ und den herunter gefallenen Stein ein und verletzte ihr Bein. Alle waren sehr geschockt und in Sorge. Draußen sammelten sich immer mehr Leute aus der Nachbarschaft des Dorfes. Viele von ihnen versuchten, den Stein, der den Eingang versperrte, wegzuschieben. Als sie die das große, lodernde Feuer, das aus den kleinen Fugen und Löchern heraus quoll, sahen, bekamen sie Angst. Aber auch die starken Männer konnten den riesigen Stein keinen Zentimeter bewegen. ln der Höhle wurde es während dessen immer heißer. Die Familie kroch auf dem Boden, sie dachten schon, sie würden sterben, während sie weiterhin versuchten, Mila, die schon halb ohnmächtig war, heraus zu ziehen. ln der Höhle war es nun schon so heiß, dass man denken könnte, man wird mit lebendigem Leib gegrillt. Sie hatten schon alle Hoffnung aufgegeben, als sie ganz unerwartet ein Licht auf der anderen Seite der Höhle sahen. Viele Männer hatten ein Loch in die Wand gegraben, um sie zu retten. Sie schleiften die vier vorsichtig nach draußen und befreiten jetzt auch Mila und trugen sie. BUMMMM. Alle erschraken, als die Höhle in die Luft ging, weil es einfach zu heiß war.

Nach ein paar Tagen ging es allen wieder gut und auch Milas Wunden waren so gut wie verheilt. Dennoch fragten sich alle, wie es dazu kommen konnte, bis Edgar wieder sein glitzerndes Ding in die Hand nahm. Erschrocken ließ er es gleich wieder fallen, weil es seine Finger verbrannte. Er kickte es in den Fluss, damit es sich abkühlt. Als er es wieder nahm, bemerkte er, dass sich das Licht darin bündelte und schnell hatte das trockene Gras Feuer gefangen.  Er trat es aus, um einen weiteren Brand zu verhindern. Er ging stolz zu den anderen, um zu verkünden, dass er jetzt weiß, wie der Brand entstand. Endlich hatten sie die Möglichkeit, selbst Feuer zu machen. Das Ding nannten sie ,,Glas“ und alle nutzten es und lebten und entwickelten sich ihn Ruhe weiter.