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Baden-Württemberger Urmenschen im Vergleich | 20. September 2014

Ein bisschen neidisch sind die Mitglieder des Steinheimer Fördervereins Urmensch-Museum schon auf ihre Partner aus Mauer. Immerhin haben sie den ältesten europäischen Urmensch in Ihrem Mu-seum. Und der Homo heidelbergensis ist weltbekannt. Zum Vortrag über ihren Urmenschen angereist waren die Diplom- Geologen Kristina Eck und Volker Liebig. Zum Erstaunen der Steinheimer Gast-geber waren die beiden sehr angetan vom hiesigen Museum, denn ihr eigenes ist wesentlich kleiner und sie haben auch nur halb so viele Besucher. Dafür umfasst Ihr Verein rund 400 Mitglieder; da können die Steinheimer nicht mithalten.

Volker Liebig zeigte in anschaulichen Bildern während seines Vortrages die geologischen Hintergrün-de der Fundstelle des Urmenschen aus Mauer. Sie liegt in einer ehemaligen Sandgrube in einer alten Neckarschleife, durch die früher der Fluss seine Bahnen gezogen hat. Ein Sandarbeiter, der damals und heute in seinem Heimatort sehr geehrt wurde, hat einen Kiefer beim Sandsieben ans Tageslicht gefördert. Wie in Steinheim gab es auch dort einen aufgeschlossenen Grubenbesitzer, der dafür ge-sorgt hat, dass der Fund in die richtigen Hände gelangt ist. Der betraute Wissenschaftler benannte ihn nach der nahen Universität Heidelberg Homo heidelbergensis.

Kristina Eck, Kustodin, das heißt „Hüterin“, begleitet seit Jahren an der Universität die Untersu-chungen des Fundes. Interessierten öffnet sie auch gerne ihre Schatulle, um das Original zu zeigen. Ursprünglich hatte der Unterkiefer noch alle Zähne und war während des Zweiten Weltkrieges wie der Steinheimer Schädel im Salzbergwerk Bad Friedrichshall eingelagert. Anders als der Steinheimer Urmenschenkopf wurde er aber geraubt. Als man ihn wieder gefunden hatte, waren vier Zähne her-ausgebrochen zwei davon hat man wieder gefunden und eingesetzt. Im Knochen stellte man einen verheilten Bruch fest. Ohne Pflege seiner Mitmenschen hätte der Urmensch damit nicht überleben können. Daraus schließt man auf soziales Verhalten der damaligen Menschen. Immer wieder wurde deutlich, dass es Gemeinsamkeiten zwischen den Funden an Neckar und Murr gibt, war doch auch die Steinheimerin nicht ganz gesund – sie hatte einen Tumor. Und hier wie dort gibt es keine Fund-stücke, die über das tägliche Leben der Menschen Auskunft geben könnten. Kristina Eck machte deutlich, dass man durch den Vergleich von Urmensch-Funden viele Erkenntnisse gewinnen kann, die am einzelnen Stück so nicht herausgefunden werden können.

So gibt es auch beim Steinheimer Urmensch noch viel Raum für weitere Forschungen. Dass die Be-völkerung an den Ergebnissen Anteil nehmen kann, dafür will der Förderverein mit seiner Vortrags-reihe auch weiterhin sorgen.

 

Dieter Beyerbach