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Der Urmensch war moderner als wir denken | 3. Juni 2017

In Steinheim hat man den Urmensch und viele Knochen von Tieren gefunden -aber keine Werkzeuge aus der Urzeit. In Schöningen hat man aus der Urzeit die ältesten Jagdwaffen der Welt und viele Werkzeuge von Menschen ausgegraben und außerdem Eierschalen, Samen und so viele Insektenflügel, dass man sie zum Teil wieder weggeworfen hat. Was man jeweils entdeckt hat, stammt aus der gleichen Zeit der Erdgeschichte und ist ca. 300 000 Jahre alt. Die Verbindung zwischen beiden Fundstätten stellte Dr. Jordi Serangeli auf Einladung des Fördervereins in seinem Vortrag „Schöningen und Steinheim an der Murr. Zwei wichtige Fundstellen, die sich ergänzen“ im Urmensch-Museum her. Er selbst ist von der Universität Tübingen und leitet vor Ort im Norden Deutschlands die Ausgrabungen. In beiden Orten wurden die Hörner von Wasserbüffeln gefunden, es muss damals also relativ warm gewesen sein. „Von Wasserbüffeln kommt der beste Mozzarella“ schwärmte der in Italien geborene Referent, der es glänzend verstand, wissenschaftliche Fakten lebendig darzubieten. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Städte mit Urzeitfunden: die seltene Säbelzahnkatze, ein sehr gefährliches Raubtier, war hier zuhause.

„Was können die Steinheimer von Schöningen lernen?“ Die Antwort auf diese Frage nahm einen großen Teil des Vortrags ein. Die Steinheimer haben den Kopf, die Schöninger erklären, was in dem Kopf drin ist, fasste der Redner zusammen. „Jeder sieht sich die Mona Lisa an und interessiert sich weniger für den Kopf des Malers Leonardo da Vinci.“ Die Werke der Menschen sagen viel über ihr Denken und Handeln aus. Die Speere, die im Ausland bekannter seien als in Deutschland, sind Beleg dafür, dass unsere Ur-Vorfahren nicht so doof waren, wie man lange Zeit gedacht hat. Das beweist die Wahl des Materials und seine Verarbeitung, z.B. die Gestaltung der scharfen Spitze, das Setzen des Schwerpunktes und ihre Länge, die heutigen Olympiaspeeren entspricht. „Unsere Vorfahren waren moderner als wir denken“ fasste Serangeli zusammen. Die Spuren aus der Vergangenheit lehren uns, dass der Mensch ein Mensch ist, dessen Evolution von seiner natürlichen Umgebung und von den Lebewesen um ihn herum beeinflusst wurde. Serangeli führte aus, dass der Mensch ein erfolgreicher Jäger war und dass er zum Beispiel Verantwortung und Respekt entwickelt hat. Dies alles zeigt, dass er zu abstraktem Denken fähig war.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht und die Gäste äußerten sich positiv. Der Referent versprach, dass er gerne wiederkommen wird um über weitere Forschungsergebnisse zu berichten.