e. juergens bei seinem vortrag 30

Konnte unser Urmensch sprechen?

Vortrag im Steinheimer Urmensch-Museum

Der 2. Vorsitzende des Fördervereins, Prof. Vogg, begrüßte im vollbesetzen Vortragsraum des Urmensch-Museums keinen Unbekannten, denn der Referent, Ekkehard Jürgens, der jetzt in Kassel lebt, hat an der PH Ludwigsburg Kulturmanagement und Kulturwissenschaft gelehrt. Hier hat er das Urmensch-Museum mit Hochschul-Projekten unterstützt und auch den Förderverein mit gegründet.

Zu Beginn seiner Ausführungen ging Jürgens ins Grundsätzliche: Ist Sprache ererbt oder erlernt? Antwort: teils-teils. Was unterscheidet Tierkommunikation von menschlicher Sprache? Kein anderes Lebewesen kann so wie der Mensch Laute miteinander in Verbindung bringen und Laute erzeugen, die nichts mit dem, was sie bezeichnen, gemeinsam haben und deshalb gelernt werden müssen.

 

Dann zeigte er Bilder, die man vom Urmenschen noch vor wenigen Jahrzehnten angefertigt hat; zu sehen sind wilde, sprachlose Affenmenschen mit stierem Blick. So hat man sich lange Zeit unsere Vorfahren vorgestellt.

Man muss diese Sichtweise kritisieren, denn anhand von körperlichen Indizien wie Körperbau, Rachenraum, Gehirngröße kann man auf Sprachbeherrschung schließen. Dazu lassen sich die gefundenen Knochen aus der Urzeit zur Analyse heranziehen. Demnach könnte auch der Steinheimer Urmensch Töne produziert haben. Jürgens verdeutlichte dies mit zahlreichen Skizzen und Bildern.

In seiner zweiten Argumentationsschiene war der Kulturwissenschaftler in seinem fachlichen Reich. Er führte Beweise dafür an, dass Steinwerkzeuge, Jagdwaffen, Feuerstellen usw. schwerlich ohne Absprache, also ohne Sprachgebrauch, benutzt werden oder hergestellt werden konnten. Ein Bespiel: Die Schöninger Speere, aus Holz gefertigt, 400 000 Jahre alt und heutigen Olympiaspeeren vergleichbar, wurden zur Wildpferdjagd benutzt. Die Jagd auf Großwildherden erforderte ein Maß an Kooperation, das ohne sprachliche Verständigung nicht denkbar ist. Auch Bestattungskult, symbolische Zeichnungen, Felskunst, Musikinstrumente brauchten den sprachlichen Austausch.

Anschaulich zeigte Jürgens, dass die von ihm referierten Erkenntnisse sich auch in der Darstellung der Urmenschen in Bildern aus unserer Zeit niederschlagen. Jetzt sieht man statt primitiver Affenmenschen Menschen, die uns ziemlich ähnlich sind. Sein letztes Bild- der Urmensch aus Steinheim (eine Frau) hatte eine Sprechblase. „Wenn Sie mich fragen: Es spricht Vieles dafür, dass ich schon sprechen konnte.“

Dieter Beyerbach