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Urmenschenvereine unter sich

„Eigentlich wollten wir uns ja nur jährlich treffen“ entgegnete Volker Liebig, der Vorsitzende des Vereins Homo heidelbergensis aus Mauer auf die Begrüßung des stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Sigrist vom Partnerverein des Urmensch-Museums Steinheim. Dass man sich schon zum zweiten Mal in diesem Jahr sehe, wertete er als Zeichen treuer Verbundenheit.

Die Steinheimer Fördervereinsmitglieder hatten sich ein umfangreiches Programm für ihre Freunde ausgedacht und haben auch Experten in ihren Reihen, die als Mitarbeiter des staatlichen Naturkundemuseums Stuttgart mit der wissenschaftlichen Materie bestens vertraut sind.

Den ersten Teil bestritt der Geologe Dr. Gert Bloos, der im Museum den Geologie-Raum eingerichtet hat. Er kennt sich mit den Gesteinen rings um die Stadt an der Murr bestens aus. Bloos erklärte seinen Zuhörern an der Fundstelle, warum der Homo steinheimensis gerade hier im Kies des Steinbruchs vom Großvater des stellvertretenden Vorsitzenden gefunden wurde und belegte seine Ausführungen anhand von mitgebrachten Schautafeln. Er sprach von einem „geologischen Glücksfall“, von einer „Summe von Zufällen“, die den Fund ermöglicht hätten. Ablagerungen dieser Art finde man nur in Steinheim. Ganz nebenbei bekamen die Einheimischen unter den Zuhörern auch etwas mit, was die meisten nicht wussten: An der Stelle des Fundstellen-Platzes stehen Bäume, wie sie in der Zeit des Steinheimer Urmenschen gewachsen sind: eine Kaukasische Flügelnuss, ein Zürgelbaum, eine Deutsche Mispel. Auch Buchsbäume gab es damals schon. Thomas Rathgeber, der die Gäste am Nachmittag durch das Museum führte, erinnerte sich, dass diese Bepflanzung bei der Gestaltung des Platzes so geplant wurde.

Bloos veranschaulichte seine Ausführungen später noch beim Blick vom Wachholderberg über Murr und vor dem Steinbruch in der Rielingshäuser Straße.

Im Museum selbst gab es nach einer anschaulichen Führung durch Rathgeber vor dem Schädel des Urmenschen eine lebhafte Diskussion über das Alter und die verwandtschaftlichen Beziehungen des Homo steinheimensis, des Homo heidelbergensis und des dritten im Bunde, des Urmenschen aus Tautavel. Leider ist es bislang nahezu aussichtslos, hier über DNA-Analysen Gewissheit zu erlangen.

Dass das Ganze nicht nur im akademischen Rahmen ablief, dafür sorgten ein Imbiss an der Fundstelle, ein gemeinsamer Kaffeeklatsch und ein gemeinsames Abendessen in den Lokalitäten beim Museum. Dort versprach man, dass man die gelungene Begegnung nächstes Mal in Mauer bei Heidelberg fortsetzen will.

 

Dieter Beyerbach