1gruppe im naturkundemuseum 25 07 2015 30

Urzeitliches und Steppis Zahnwechsel erkundet

Der Förderverein Urmensch-Museum hat Interessierte in die neue Eiszeitausstellung im Naturkundemuseum am Löwentor in Stuttgart eingeladen. Dr. Reinhard Ziegler, Leiter der paläontologischen Abteilung, betreute die Gruppe. Neben dem Original des Homo steinheimensis waren die vier neuen, der Wirklichkeit nachgebildeten eiszeitlichen Lebensräume beeindruckend.  Besonders die Bärenhöhle versetzte die Besucher in die Urzeit zurück. Diese  Lebensraum-Darstellungen beruhen alle auf regionalen Funden aus Baden-Württemberg, darunter sehr viele aus Steinheim an der Murr.

Selbst Experten unter den Zuhörern  konnten noch neue Details mit nach Hause nehmen. Nicht alle wussten, wie es mit dem Zahnwechsel bei Steppi  war. Es ist nämlich so, erklärte Ziegler, dass Mammuts und Elefanten 6 Mal die Zähne wechseln. Jedes Mal rückt ein größerer Zahn nach bis der letzte Zahn dann so lange herunter gekaut wird, bis er seine Dienste versagt und dem Leben des Tieres ein Ende setzt.  Auch dass die Steppenlandschaft gar nicht so karg gewesen sein kann, erfuhr man. Denn wie sonst konnten beispielsweise die Steppenriesenhirsche jährlich ein solch imposantes Geweih aufbauen, das sie dann wieder abwerfen? Diese Masse musste erst mal ernährt werden.

Weiter erfuhren die Teilnehmer zum Beispiel, dass man nur indirekt Informationen über die Lebensweise der Urmenschen gewinnen kann. Man hat ja nur sehr wenige Urmenschenreste gefunden und muss aus Indizien darauf schließen, wie diese Menschen  ihr Leben gestaltet haben. Kratzspuren an Tierknochen, die nur von einem Werkzeug stammen können, zeigen, dass hier Menschen das Fleisch vom Knochen geschabt haben müssen. Holzspeere, die an anderer Stelle gefunden wurden, aber aus derselben Zeit der Steinheimer Urmensch stammen, beweisen, dass der Urmensch mit Speeren auf die Jagd ging.

Ein Höhepunkt der Führung war der Gang in das Kellerarchiv, das sonst für Besucher nicht zugänglich ist. Der Präparator Thomas Rathgeber führte durch seine ehemalige Arbeitsstätte. Dort  lagern Tausende von Fundstücken, unter anderem aus Steinheim, säuberlich geordnet und beschriftet. Die Teilnehmer konnten Urzeitliches sogar in die Hand nehmen und vom Experten erfahren, welche Bedeutung den Funden zukommt und welche Aussagen man aus den Fossilfunden  herleiten kann.

 

Dieter Beyerbach