homo steinheimensis copyright 2017 atelier daynes paris 2 30

Schreibwettbewerb 2018

An dieser Stelle werden hier nach und nach einige Beiträge des Schreibwettbewerbs 2018 veröffentlicht. Nach der Preisträgergeschichte der Kategorie Erwachsene folgt nun die Preisträgergeschichte von Lina Wiesner, 10 Jahre, aus der Kategorie Kinder und Jugendliche. 

Gefahr hinterm Beerenbusch

Eines Morgens, als die Steinheimer Urmenschfrau aufwachte sah sie … nichts.

Völlige Dunkelheit herrschte um sie herum. Sie brauchte einen Moment, um heraus zu finden, ob es Traum oder Wirklichkeit war. Draußen dämmerte es bereits. Ihr Mann war schon auf der Jagd. Sie stand auf, um ihre täglich Arbeit zu erledigen. Beeren und Kräuter sammeln! Als die etwa 30jährige Frau vor ihrer Behausung stand, streckte und rechte sie sich noch einmal kräftig und machte sich mit ihrem Weidenkorb auf den Weg in Richtung Wald. Am Waldrand fand sie, nicht weit vom Lager entfernt, einen beerenreichen Busch. Als sie den Korb gerade halb gefüllt hatte, raschelte plötzlich etwas im Busch nebenan. Sie bekam einen riesen Schreck und ließ ihr Körbchen fallen, die gesammelten Beeren fielen heraus. Mit einem dumpfen Schlag prallte das Körbchen auf den Boden auf. Aus dem Busch drangen komische Geräusche. Voller Panik rief sie „Oje, was ist das?“ Doch die Neugier wurde dann doch stärker als ihre Angst. Sie bog die Äste auseinander und was sie dann sah, verschlug ihr die Sprache!

Hinter dem Busch lag ein riesengroßer Säbelzahntiger am Boden. Es war ein Muttertier, denn neben ihm lag ihr Junges, gerade mal ein paar Wochen alt. Der Säbelzahntiger war fuchsteufelswild, fauchte und sah sehr gefährlich aus. In seiner hinteren linken Tatze steckte eine riesige Dorne. Er hatte so große Schmerzen, dass er nicht mehr gehen konnte. Die Urmenschfrau hatte großes Mitleid mit dem Muttertier und dem kleinen Tiger. Sie überlegte, wie sie ihm helfen könnte. Da hatte sie eine blendende Idee.

Sie suchte im nahen Unterholz nach zwei langen Stöcken, um diese oben festzuhalten und dann wie eine Pinzette (die es ja noch nicht gab) zu benutzen. Sie wollte dem Tiger schließlich nicht zu nahe kommen.  Es war gar nicht so leicht, wie sie gedacht hatte. Doch schließlich schaffte es die Urmenschfrau doch. Mit einem Ruck zog sie die Dorne aus der Tatze. Aus der Wunde schoss Blut, das wiederum versetzte dem Tiger zu große Schmerzen, um das Bein zu benutzen.

Schnell hob sie ihr Körbchen auf und ließ die Beeren auf dem Boden liegen. Sie überlegte kurz, welche Kräuter sie brauchen würde und zählte sie dann laut auf: „Malvenblätter, Goldrute, Stieleichenrinde und Blutwurz.“ Diese Kräuter musste sie erst noch sammeln, also lief sie tiefer in den Wald hinein. An einem moosbewachsenen Felsen entdeckte sie Goldrute. Sie pflückte es und ging weiter. Plötzlich sah sie ganz in der Nähe Malvenblätter aufblitzen. Flink pflückte sie es und setzte ihre Suche fort. Sie folgte einem Bach und fand am Ufer etwas Stieleichenrinde. Nun fehlte ihr nur noch die letzte und seltenste Pflanze, Blutwurz! Nach einer halben Ewigkeit fand sie es in einem hohlen Baumstumpf. Mit allen Pflanzen im Korb machte sie sich auf den Rückweg zum Säbelzahntiger. Als sie bei ihm angekommen war, legte sie ihm mit dem Stöckchen die helfenden Pflanzen auf die verletzte Tatze. Nun konnte sie nichts weiter tun als abwarten. Sie beschloss am Abend noch einmal nach dem verletzten Tier zu sehen. Die Urmenschfrau sammelte die fallengelassenen Beeren ein und machte sich auf den Rückweg zu ihrem Lager.

Als es dunkel wurde, lief die Urmenschfrau zum verletzten Säbelzahntiger zurück. Angekommen, bemerkte sie überrascht, dass der Tiger fort war. Sie stieg auf den Berg in der Nähe des Busches und sah voller Freude, wie der Säbelzahntiger einige Kilometer entfernt mit seinem Jungen seine Wege ging.