Spiel mit dem Feuer

Offenes Feuer fasziniert uns Menschen noch heute, auch wenn wir für Licht und für Heizung, fürs Kochen und fürs Braten moderne Energiequellen nutzen. Die ältesten Spuren einer Feuerstelle wurden in einer Höhle in Südafrika ausgegraben. Demnach hat schon der Homo erectus vor rund 1 Million Jahren das Feuer genutzt.

 

Ohne Feuer, soviel ist sicher, hätten die Urmenschen nicht von Afrika in die kälteren Zonen Europas auswandern können. Doch Feuer spendete nicht nur Wärme, es brachte auch Licht ins Dunkel der Nächte und der Höhlen. Außerdem machte Feuer die Nahrung verdaulicher bzw. haltbarer. Es hielt Bären und Löwen davon ab, dem Menschen zu nahe zu kommen. Und umgekehrt: Es ließ die Menschen selber näher zusammenrücken. Denn der sorgsame Umgang mit der Glut förderte die Kommunikation in der Gruppe. Gut möglich, dass um das Feuer herum die ersten alten Familiengeschichten die Runde machten – sozusagen der Beginn der Poesie.

Die Funktion des Feuerhütens und des Feuermachens in der Evolution des Menschen ist nicht hoch genug anzusetzen. Heute würde man – mit Blick auf den Computer – von einer „Schlüsseltechnologie“ sprechen, die alle Lebensbereiche durchdringt und verändert. Doch wann die Gattung Mensch begann, das Feuer zu nutzen, das ist eine der strittigsten Frage der Paläontologie. Mal war von 400.000 Jahren die Rede (China), dann von 700.000 Jahren (Israel). Auch Ostafrika (Kenia) und Südafrika (Swartkrans) waren schon im Gespräch mit 1 bis 1,5 Millionen Jahre alten Brandspuren. Doch der naturwissenschaftlich exakte Nachweis von menschengemachtem Feuer ist ein Problem.

Um auszuschließen, dass es sich bei Aschespuren um Überreste eines natürlichen Steppen- oder Buschbrandes handelt, braucht es Indizien, die eindeutig auf menschliche Verursachung schließen lassen. Das ist jetzt der Fall: Die rund 1 Million Jahr alten Brandspuren in der südafrikanischen Wonderwerk-Höhle wurden tief im Innern des Felsen gefunden, 30 Meter vom Eingang entfernt. Faustkeile, Knochenreste und Pflanzenasche bildeten einen Fundzusammenhang, der die Archäologen vermuten lässt, das Feuer sei in der Höhle selbst entzündet worden.

Übrigens: Das älteste eindeutige Beweisstück fürs Feuermachen durch den Homo sapiens wurde auf der Schwäbischen Alb gefunden. Mindestens 32.000 Jahre alt ist die rötlichbraune Pyrit-Knolle, mit der unsere Vorfahren in der Vogelherdhöhle (im Lone-Tal) Funken geschlagen haben. Diese 5 cm lange Pyritknolle wird im Institut für Ur- und Frühgeschichte der Uni Tübingen aufbewahrt. 2009 stand sie im Mittelpunkt einer Ausstellung in Blaubeuren: Das Urgeschichtlichen Museum zeigte sie als Belegstück für die menschliche Bedeutung des Feuers – von seinen Anfängen bis zur Brennstoffzelle. Der Begleitband zu dieser Ausstellung ist noch heute lesenswert, auch wenn die Neuentdeckung aus der südafrikanischen Wonderwerk-Höhle (publiziert erst 2012) noch nicht berücksichtigt werden konnte.

Kölbl, Stefanie / Nicholas J. Conard (Hrsg.):

Brandheiß. Das – gefährliche – Spiel mit dem Feuer.

Museumsheft 8, Urgeschichtliches Museum, Blaubeuren 2009.