Steinheimer Urmensch

Homo steinheimensis

Schädel des Steinheimer Urmenschen, gefunden am 24. Juli 1933 in der Sandgrube Sigrist – Foto: Harling, SMNS

Am 24. Juli 1933 entdeckte Karl Sigrist in der Kiesgrube seines Vaters einen Menschenschädel. Dieser lag etwa 8 Meter tief im Boden. Den Ablagerungen zu Folge stammt der Schädel aus der Holstein-Warmzeit. Er wurde vor rund 320.000 Jahren – vermutlich vom Hochwasser – hierher gespült. Vom dazu gehörigen Skelett fehlt jede Spur.

Fundstelle, Schädel bereits eingegipst zum Transport

Geschlecht und Lebensalter

Nach dem Entwicklungsstand des Gebisses und aufgrund des zierlichen Knochenbaus wird der Steinheimer Schädel einer Frau zugeordnet, die im Alter von rund 25 Jahren starb. Das Gehirnvolumen liegt mit ca. 1.100 Kubikzentimeter noch unter dem des heutigen Menschen und ist auch deutlich kleiner als bei Neandertalern.

Die Beschädigungen an der linken Schädelseite und an der Schädelbasis lassen sich nach neueren gerichtsmedizinischen Untersuchungen auf natürliche Ursachen zurückführen (also nicht, wie früher angenommen, auf menschliche Gewaltanwendung). Außerdem zeigen Aufnahmen der Computertomographie, dass der Steinheimer Urmensch an einem Meningeom litt, einem gutartigen Gehirntumor.

 

Vorläufer des Homo sapiens oder Vorläufer des Neandertalers?

Fritz Berckhemer von der Stuttgarter Naturaliensammlung hat den Schädel 1936 als Homo steinheimensis beschrieben. Er interpretierte den einwärts eingebogenen seitlichen Oberkieferrand, die Existenz einer Wangengrube, das Fehlen einer starken Abknickung und eines starken Wulstes am Hinterhauptsbein als fortschrittliche Merkmale und ordnete den Homo steinheimensis in die zum heutigen Menschen führende Präsapiens-Linie ein.

Doch die stammesgeschichtliche Einordnung des Fundes ist bis heute umstritten. Unter dem Eindruck der Hypothese, dass es in Europa nur eine, nämlich die zum Neandertaler führende Entwicklungslinie gab, wird der Steinheimer heute meist als Vorfahre des Neandertalers, des Homo neanderthalensis, gedeutet. Die diese Form kennzeichnenden Merkmale, zum Beispiel eine Grube am Hinterhauptsknochen, sind aber sehr undeutlich ausgeprägt.

In jüngerer Zeit wird der Steinheimer Schädel, ohne nähere Begründung, auch unter dem Namen Homo heidelbergensis geführt, damit also jener Menschenform zugeordnet, deren mächtiger Unterkiefer 1907 in Mauer bei Heidelberg gefunden wurde. Das Aussehen und das Alter des „Heidelbergers“ von ca. 600.000 Jahren lassen jedoch diese Zuordnung fragwürdig erscheinen.

So könnte der Steinheimer Urmensch ausgesehen haben. Die Skulptur wurde von der Paläo-Künstlerin Elisabeth Daynès geschaffen und steht im Urmensch-Museum in Steinheim ( Foto: R.Becker )
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